»Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.«

Jean Paul

Gäste aus dem Weltall (Каллисто)

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Gäste aus dem Weltall
Kallisto

An einem Sommermorgen tritt der Arzt Kuprijanow vor sein Haus und entdeckt am Himmel einen hellen Punkt. Sein Nachbar Stern, ein berühmter Astronom, kann ihm auch nicht sagen, was dort zu sehen ist.

Kuprijanow fährt zur Arbeit. Der Gedanke an das geheimnisvolle Himmelsobjekt lässt ihn jedoch nicht zur Ruhe kommen. Dann ereilt ihn der Anruf seines Nachbarn. Er soll schnell in die Sternwarte kommen. Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen begeben sich ebenfalls dorthin. Stern eröffnet der versammelten Expertenrunde, dass sich der Erde ein fremdes kugelförmiges Weltraumschiff nähert.

Eine wissenschaftliche Expedition unter der Leitung Kuprijanows wird gebildet. Noch ist nicht klar, wo das Raumschiff landen wird.

Die Wissenschaftler begeben sich zum Landeplatz in der Nähe der Stadt Kursk. Ein Zeltlager wird errichtet. Ausländische Wissenschaftler und Journalisten treffen ein.

Die Erdbewohner warten auf das Aussteigen der Wesen aus einer anderen Welt.
Durch Scheinwerfersignale gelingt eine erste Verständigung. Die Menschen erfahren, wann die Fremdlinge ihre Weltraumkugel zu verlassen gedenken. Als dieser Tag anbricht, umsteht eine vieltausendköpfige Menschenmenge den Landeplatz.

Rundflug
Rundflug
Probenentnahme
Probenentnahme

Aus einer Öffnung an der Oberseite der Kugel schweben geflügelte Wesen herab. Die Besucher aus dem Weltall sind auffallend groß, haben eine schwarze Hautfarbe und ebenmäßige Gesichtszüge. Der Erstkontakt verläuft überaus herzlich.

Der junge Arzt Schirokow, Kuprijanows Assistent, findet als erster den Mut, mit einem der seltsamen Flugapparate in die Luft zu steigen. Danach wird er und der chinesische Sprachforscher Lao Sen eingeladen, das Weltraumschiff zu besichtigen.

Aus den Erzählungen der Gäste, aus mitgebrachten Büchern, Zeichnungen, Bildern und Fotografien erfahren die Menschen etwas über das Leben auf einem anderen Planeten. Es stellte sich heraus, dass die auf Kallisto etablierte klassenlose Gesellschaftsordnung zu einer rasanten Entwicklung von Kultur, Wissenschaft und Technik beigetragen hat.

Blick ins Buch
Blick ins Buch

Schirokow und einige andere Wissenschaftler beginnen mit dem Erlernen der kallistoanischen Sprache. Bereitwillig teilen die Fremden ihr Wissen mit den Vertretern der Erde.

Videotechnik
Außerirdische Videotechnik

Nicht alle Menschen sind über die Gäste aus dem Weltall erfreut. Einer ausländischen Macht gelingt es, einen Agenten unter die Mitglieder der wissenschaftlichen Expedition zu schmuggeln. Der verübt einen Anschlag auf das Leben der Fremden, dringt in das Raumschiff ein und sabotiert dessen Antrieb.

Sowjetischen Wissenschaftlern und Arbeitern gelingt es zusammen mit den Kallistoaner, den Schaden zu reparieren. Menschen und Kallistoaner werden Freunde und auch die Verständigung gelingt immer besser. Die Außerirdischen besuchen viele Länder der Erde und werden von den Menschen überall begeistert empfangen.

Dann heißt es, Abschied zu nehmen. Das Raumschiff startet in Richtung des Planeten Kallisto, mit an Bord befinden sich die ersten Abgesandten der Erde – die sowjetischen Wissenschaftler Schirokow und Sinjajew. Frühestens in fünfundzwanzig Jahren ist mit ihrer Rückkehr zu rechnen…

Hintergrund

Die Erzählung »Gäste aus dem Weltall« erschien 1958 in zwei Heften im Verlag Kultur und Fortschritt. Sie basiert auf dem Vorabdruck des Romans »Каллисто« (»Kallisto«), der 1957 im Verlag »Детгиз« veröffentlicht wurde. Drei Jahre später erschien der Roman »Каллистяне« (»Die Kallistoaner«) und beschreibt die Abenteuer der beiden Erdbewohner auf dem Planeten »Kallisto«.

2 Heftchen
2 Heftchen von 1958

Persönliche Wertung

Die Erzählung »Gäste aus dem Weltall« ist ein typisches Beispiel für die wundervollen und naiven Zukunftsentwürfe der damaligen Zeit. Ein Raumschiff landet auf der Erde, es kommt zum Kontakt mit einer fremden hochentwickelten und humanen Zivilisation. Die Aliens sind angenehm anzuschauen und freundlich… Alles ist herrlich und großartig, die reinste Idylle, jedoch für Kinder damals eine absolut spannende Lektüre!

Heutige Kritiker bemängeln an Martynows Roman seine Fülle an billigen Klischees, eine mangelnde Phantasie und die sehr idealistischen Charaktere. Ein heftiger Kritikpunkt ist dabei die Darstellung des Lebens auf Kallisto und seiner Bewohner. Martynow beschreibt die Kallistoaner als sehr menschenähnlich. Es gibt nur wenige Unterschiede im Körperbau. Die Fremden verfügen bspw. im Prinzip über dieselben Organe, die nur seitenverkehrt im Körper angeordnet sind.

Im Buch lässt sich dafür sogar eine wenig überzeugende Begründung finden. Wasser und Luft setzen sich auf Kallisto ebenso zusammen wie auf der Erde, deshalb muss diese Welt auch erdähnliches Leben hervorgebracht haben! Dieses Klischee ist jedoch bei vielen Science-Fiction-Werken seinerzeit anzutreffen. Es ist außerdem zu bezweifeln, ob eine Darstellung hässlicher Wesen oder Monster für das gedachte Publikum – Kinder und Jugendliche – geeignet gewesen wäre.

Dem Autor jedoch fehlende Phantasie vorzuwerfen, empfinde ich als vollkommen überzogen. Denn Martynow war neben Jefremow einer der ersten Schriftsteller, der den phantastischen Raum in der überaus zaghaften sowjetischen Nachkriegs-SF auf die interstellaren, intergalaktischen Weiten ausdehnte. [3] Während die Helden der Strugatzkis oder Wolkows noch auf Venus und Mars aufregende Abenteuer erleben, erhält die Erde Besuch von Boten einer hochentwickelten Zivilisation aus dem Sirius-System.

Der Autor schildert sehr überzeugend die Aufregung, die die Welt im Zusammenhang mit der Ankunft eines außerirdischen Raumschiffs erfasst. Der Roman ist dynamisch, angereichert mit einer Spionage-Intrige und einem Saboteur als Hommage an den Zeitgeist der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Darstellung des Kommunismus und einer künftigen Gesellschaft waren für den Autor sicher nicht erzwungene Pflicht und billige Propaganda. Gerade in den 50er Jahren, der Phase des sogenannten »Tauwetters«, hofften viele Menschen auf eine lichte und schöne Zukunft und waren begierig davon zu lesen.

Von den Kindern und Jugendlichen wurde der Roman und seine Fortsetzung sehr positiv aufgenommen. Die Bücher belegten lange Zeit den ersten Platz in den Bewertungen der Kinderbibliotheken. Die Kallisto-Dilogie war das erste Werk der russischen Belletristik, dass ein damals in der UdSSR unbekanntes Phänomen auslöste – die Gründung von Fanclubs. In Kinderbibliotheken bildeten sich reihenweise Gemeinschaften von Fans der Romane, die Fortsetzungen schrieben – Bücher und Geschichten über die Welt Kallisto (etwas, was heute Fanfiction genannt wird). Kallisto-Museen wurden gründet, eine Kallisto-Enzyklopädie zusammengestellt und vieles mehr. [3]

Unbedingt müssen auch die wunderbaren Grafiken des Malers Rubinstein in der russischen Ausgabe des Romans erwähnt werden.

Zum Buch

Russischer Originaltitel:Планетный гост (Der planetarische Gast), später Каллисто
Autor:Georgi Martynow
Deutsch:Heinz Machatscheck
Verlag:Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1958
Seitenzahl:127
Ausgabe:2 Hefte »Kleine Jugendreihe«, 11 und 12/1958

Quellen

[1] Gäste aus dem Weltall – Georgi Martynow, Verlag Kultur & Fortschritt Berlin 1958

[2] Каллисто – Детгиз, 1957

[3] Евгений Харитонов Апокрифы Зазеркалья (Этюды о фантастике) S. 187 – 192

[4] Russische Wikipedia – Georgi Martynow (Stand, 24.05.2021)

[5] https://fantlab.ru/

Die Illustrationen stammen aus der russischen Originalausgabe des Buches Каллисто – Детгиз, 1957 und sind Grafiken des Malers Л.Я.Рубинштейн sowie aus den beiden Heften »Gäste aus dem Weltall« und sind Grafiken des Malers Heinz Birkner.

Die Informationen und Illustrationen der russischen Originalausgabe stammen von ПУБЛИЧНАЯ БИБЛИОТЕКА.

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