»Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.«

Jean Paul

Марс пробуждается (Mars erwacht)

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Mars erwacht

In einer frostigen, klaren Nacht im Hochland von Tibet beobachtet der Astronom Li Xiao-shi wie schon in den Nächten zuvor den Mars.

Plötzlich gerät ein sonderbares Gebilde in sein Blickfeld. Unterhalb des Mare Tyrrhenium ist ein Symbol zu sehen. Es ähnelt einer Sinuswelle.

Zur selben Zeit empfangen die Radioastronomen seines Observatoriums unverständliche Signale aus Richtung des vierten Planeten.

Da sich die Wissenschaftler darauf keinen Reim machen können, senden sie ihre Beobachtungsergebnisse an das Akademiemitglied Jachtonow im fernen Moskau.

Der Gelehrte wird durch die Unterlagen in helle Aufregung versetzt und berät sich mit seinen Kollegen. Relativ schnell wird ihnen klar: Auf dem Mars gibt es intelligentes Leben! Die Botschaft ist ein Hilferuf!

Rasch wird ein Expeditionsteam zusammengestellt und wenig später startet ein Raumschiff in Richtung Mars. Die Kosmonauten landen zuerst auf Phobos. Von dort geht es mit einem Shuttle hinunter zur Planetenoberfläche.

Der Planet und seine Bewohner empfangen die Abgesandten der Erde sehr unfreundlich. Zum einen erweisen sich die Bedingungen auf dem Mars als wenig angenehm. Es ist die meiste Zeit sehr kalt, die dünne Luft kaum atembar. Dann kreisen gepanzerte Fahrzeuge das Raumschiff ein. Die irdischen Besucher werden gefangengenommen und an einen düsteren Ort verschleppt.

Natürlich sind die Forscher über die grobe Behandlung entrüstet. Jachtonow mahnt jedoch zu Ruhe und Besonnenheit. Denn ihre grundlegenden Bedürfnisse werden befriedigt. Die Lage ist ein wenig unbequem. Nach einigen Tagen gelingt eine Verständigung mit den Einheimischen. Die Forscher erfahren mehr über die Situation auf dem Mars.

Der Planet, von seinen Bewohnern Ant (bzw. Anta) genannt, ist eine sterbende Welt. Extremer Mangel an Wasser und Energie verdammt das Leben auf dem Mars ist zu einem kümmerlichen Dasein. Die einst blühende Mars-Zivilisation wird durch ein strenges Triumvirat beherrscht.

Lord Irgan, seine Frau Matoa und der Priester Assor sind wenig erfreut über die Ankunft der Erdbewohner. Denn nicht sie haben das Signal in Richtung Erde gesandt, sondern eine im Untergrund operierende Rebellengruppe. Die Anwesenheit der Fremden muss deshalb unbedingt verborgen bleiben!

Zur gleichen Zeit sind die Rebellen nicht untätig und planen eine Aktion, um die Menschen zu befreien. Das Unternehmen ist jedoch nur teilweise erfolgreich. Jachtonow, Odinzow und Xiao-shi können befreit werden. Die beiden Frauen und Ingenieur Parschin werden in ein festungsähnliches Gefängnis gebracht.

Der Anführer der Rebellengruppe berichtet den drei Geretteten von seinen Plänen und gibt ihnen einen genaueren Einblick in die Geschichte des Volkes von Ant. Elhab erzählt den Forschern Erstaunliches! Die Marsbewohner beobachten das Leben auf der Erde schon seit Jahrtausenden. Sie haben zwar niemals ihren Planeten verlassen, erfanden jedoch überaus leistungsstarke Beobachtungsgeräte. Sie sahen eine blühende und lebendige Welt und verfolgten die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft mit besonderem Interesse.

Elhab eröffnet seinen Gästen, dass nicht alle Marsbewohner mit der Herrschaft der Triumvirats zufrieden sind. Denn die Regierung verwaltet nur den Mangel, unternimmt jedoch nichts, um den drohenden Untergang der Zivilisation abzuwenden. Die Rebellen hoffen auf eine bessere Zukunft, auf die Hilfe der Bewohner der Erde.

Pläne in diese Richtung müssen jedoch erst einmal hintenan gestellt werden. Als erstes gilt es, die restlichen Gefangenen zu befreien.

Mit einer spektakulären Aktion gelingt es, die beiden Frauen und den Ingenieur zu retten. Wieder vereint fliehen die sechs Kosmonauten in den sogenannten »Himmelstempel« und bitten um Asyl. Damit unterwerfen sie sich freiwillig dem Urteil des Höchsten Gerichtes auf dem Mars.

In einem wendungsreichen Prozess werden Geheimnisse gelüftet und Konflikte ausgetragen. So muss Matoa ihre heimliche Unterstützung bei der Befreiung der Gefangenen eingestehen. Sie wird angeklagt und für diesen Verrat zum Tode verurteilt.

Bevor das Urteil vollstreckt werden kann, wendet sich Matoa an die Anwesenden und macht ihrem Herzen Luft. Sie gibt zu, dass die Regierung sich nicht wirklich für das Wohl des Volkes einsetzt, sondern eigene Interessen verfolgt. Danach wird das Urteil vollstreckt.

Lord Irgan ist von Matoas Worten und ihrem Tod erschüttert und begeht Selbstmord. Das Volk steht plötzlich ohne Regierung da. Die Gesetze des Planeten fordern jedoch, dass in diesem Falle unverzüglich ein neuer Herrscher ernannt werden muss. Die Teilnehmer des Prozesses berufen spontan Elhab in das Amt des obersten Herrschers.

Der neue Regierungschef sucht bei den irdischen Forscher Rat. Sie bieten Hilfe und Unterstützung an. Wladimir und Natascha studieren alte Karten und begeben sich auf die Suche nach Wasser.

Parschin macht sich an den Bau eines Atomkraftwerks. So hofft man, den Energiebedarf vorerst stillen zu können. Dem Mars fehlen außerdem Fachkräfte. Die Hoffnungslosigkeit der letzten Jahrhunderte brachten den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zum Erliegen.

Indira und Janhee, Elhabs Sohn, experimentieren mit Pflanzen und Mikroorganismen, um die Fruchtbarkeit des Marsbodens zu steigern. Gleichzeitig züchten sie Pflanzen, die den widrigen Bedingungen des Mars besser standhalten.

Die Realisierung aller dieser Vorhaben ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Außerdem geben die reaktionären Kräfte um Assor keine Ruhe. Er und seine Anhänger sabotieren den Fortgang der Arbeiten durch Anschläge.

Ob die Umgestaltung des Mars gelingt, ist nicht gewiss. Aber die Menschen der Erde und des Mars wollen gemeinsam alles dafür tun, damit sich die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft erfüllt.

Hintergrund

Der Roman »Марс пробуждается« (»Mars erwacht«) ist die Fortsetzung von »Notlandung auf der Venus« und erschien 1961 im Verlag »Советская Россия«. Das Buch hatte bei den Kindern und Jugendlichen der damaligen Zeit großen Erfolg.

Zu einer Veröffentlichung in deutscher Sprache ist es nie gekommen. Ich habe einen Text der ПУБЛИЧНАЯ БИБЛИОТЕКА mit Hilfe der Webseite deepl.com maschinell übersetzen lassen. Die Übersetzung ist verblüffend gut lesbar.

Persönliche Wertung

Zahlreiche Beiträge auf verschiedenen russischsprachigen Plattformen belegen, dass viele der damaligen Leser den Roman in guter Erinnerung behalten haben.

Als besonders reizvoll gelten die umfangreiche Darstellung einer fremden und geheimnisvollen Welt. Flora und Fauna des Mars und seine soziale Struktur werden detailliert beschrieben. Ein durchtriebener Gegenspieler und sympathische Helden treiben die wendungsreiche und spannende Handlung voran.

Einige Ideen des Autors dagegen können heute nur noch als sehr naiv bezeichnet werden. So lässt er die Astrobotanikerin Mikroorganismen von der Erde mitnehmen, um sie genetisch zu verändern und in den Marsboden einzupflanzen! Dann spazieren die Kosmonauten ohne Schutzanzug durch eine unerforschte Welt. Schon Jefremow warnte in seinem großartigen Roman »Der Andromedanebel« vor der Ansteckung mit außerirdischen Keimen.

Natürlich ist der Vorwurf der Kritiker über die künstlerischen Gestaltung des Textes durchaus berechtigt. Bei genauerer Betrachtung sind die Wendungen der Handlung oft naiv und wenig überzeugend. Das alles fällt jedoch nur auf, wenn man den Roman mit den Augen eines erwachsenen Lesers betrachtet. Dieses Buch war jedoch eindeutig für Kinder gedacht, zudem für Kinder der 60er Jahre, die nicht durch viel phantastische Literatur verwöhnt wurden.

Ich selbst hätte es im entsprechenden Alter sicherlich mit großem Vergnügen gelesen. Und die umfangreichen Darstellung vieler populärwissenschaftlicher Ideen (die heute nur noch selten in dem Genre vorkommen) hätte mich beim Lesen nicht gestört.

Erwähnenswert ist das moderne Frauenbild des Romans. In »Notlandung auf der Venus« beklagte Natascha noch die fehlende Anerkennung durch ihre Kameraden. Im zweiten Roman begegnen wir zwei mutigen und selbstbewussten Heldinnen. Natascha und Indira sind kein schmückendes Beiwerk, sondern übernehmen wichtige Aufgaben und tragen mit ihren Ideen entscheidend zum Gelingen des Unternehmens bei.

Kritiker werfen Wolkow heute vor, er hätte sich bei vielen Ideen aus Tolstois »Aelita« bedient. Jedoch könnte dann auch jedes Buch zum Thema »Zeitreisen« als Plagiat von Wells »Zeitmaschine« bezeichnet werden.

Des Weiteren wird dem Autor unterstellt, er habe sich beim Schreiben seines Romans vom US-amerikanischen Schriftsteller Burroughs und dessen Marszyklus beeinflussen lassen. Sie spielen wohl dabei auf die sehr kurze, romantische – auch für mich hier unpassende – Situation zwischen Wladimir und Matoa an. Das Werk Burroughs dürfte jedoch in der ehemaligen Sowjetunion zu der Zeit unbekannt gewesen sein.

Ein dritter Kritikpunkt unterstellt dem Autor den für manche SF-Werke typischen Revolutions-Export auf andere Planeten. Aber genau dafür lassen sich keine Beweise finden. Wolkows Helden verhalten sich auffallend passiv und zurückhaltend, besonders wenn sie ungerecht behandelt werden. Mehr als einmal ermahnt der Expeditionsleiter die jüngeren Teilnehmer zu Geduld und Besonnenheit. Die Kosmonauten achten das fremde Leben. Sie unterwerfen sich sogar der obersten Gerichtsbarkeit des Mars. Dass sie von ihrem Zuhause erzählen und dadurch bei anderen den Wunsch wecken, so auch leben zu wollen, kann man ihnen schwerlich vorwerfen.

Es bleibt festzuhalten, dass Konstantin Wolkow mit »Mars erwacht« ein bei den Kindern der 60er Jahre überaus beliebtes und erfolgreiches Buch geschrieben hat. Viele der Leser von damals verbinden damit angenehme und schöne Erinnerungen. Der Autor schaffte es, bei Kindern Interesse für Naturwissenschaft und Forschung zu wecken. Die bei Kindern sowieso vorhandene Hilfsbereitschaft gegenüber in Not Geratener wurde durch die Beschreibung des selbstlosen Einsatzes der Raumfahrer bestärkt. Wolkows Helden handeln besonnen und achten fremdes Leben. Männer und Frauen arbeiten gleichberechtigt an der Verwirklichung großer Ziele.

Ein Buch, dass diese positiven Vorstellungen seinen Lesern zu vermitteln weiß, ist es wert, in guter Erinnerung zu bleiben.

Blick ins Buch
Blick ins Buch

Zum Buch

Russischer Originaltitel:Марс пробуждается (Mars erwacht)
Autor:Konstantin Wolkow
Verlag:Советская Россия 1961
Seitenzahl:355
Ausgabe:Gebunden

Quellen

[1] Марс пробуждается – Советская Россия 1961

[2] Russische Wikipedia

Die Illustrationen stammen aus der russischen Originalausgabe des Buches Марс пробуждается – Советская Россия 1961 und sind Grafiken des talentierten Malers Н. И. ГРИШИН.

Die Informationen und Illustrationen der russischen Originalausgabe stammen von ПУБЛИЧНАЯ БИБЛИОТЕКА.

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