09.08.2023

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Atoll Fakaofu

Kapitän Ganeschin hört dem Vortrag eines Wachschiffkapitäns während des Zweiten Weltkriegs zu.

Dieser erzählt, wie er ein deutsches U-Boot bekämpfte. Während des Gefechts machte die Besatzung des Wachschiffes eine merkwürdige Beobachtung.

Eine der abgeworfenen Wasserbomben explodierte, wahrscheinlich wegen einer Fehlfunktion, in einer viel größeren Tiefe als vorgesehen. Durch die Explosion wurde ein merkwürdiges, rot gefärbtes Meerestier an die Oberfläche gespült, das aber nach kurzer Zeit wieder verschwand. Einem Matrosen gelang es, einige unscharfe Fotos zu machen, aber die Männer hatten keine Ahnung, welcher Art das Seetier war.

Der riesige Tierkoerper

Nach dem Vortrag nutzt ein alter Gelehrter die Gelegenheit, den anwesenden Seeleuten klarzumachen, wie wenig die Menschen bisher über das Leben im Meer wussten. Er ermuntert sie, nach dem Krieg ihre Fähigkeiten in den Dienst der Wissenschaft zu stellen. Er mahnt:

»Wir brauchen Augen und Hände in den schrecklichsten Tiefen des Meeres.«

Der Televisor des Kapitaen Ganeschin

Jahre später ist Kapitän Ganeschin an Bord des Meeresforschungsschiffes »Amethyst« und überwacht den Einsatz eines neuartigen Echolots. Das Gerät kann den Meeresboden viel tiefer und schärfer abtasten als jedes andere Gerät zuvor.

Das neue EcholotDie Amethyst

Auf ihrer Fahrt begegnen sie einem amerikanischen Schiff in Not. Die Forscher der »Recovery« hatten eine Tauchkugel zu Wasser gelassen. Beim letzten Tauchgang war das Verbindungskabel gerissen. Nun droht den beiden Insassen der qualvolle Erstickungstod. Sie haben nur noch wenige Stunden Luft.

Die Offiziere der »Amethyst« helfen mit ihrem besseren Echolot, die Tauchkugel zu orten. Der ungefähre Ablageort auf dem Meeresboden ist gefunden, aber wegen der schlechten Sichtverhältnisse in fast 3000 Metern Tiefe noch zu ungenau.

Eine Boje

Da bietet Kapitän Ganeschin an, ein von ihm entwickeltes und gerade fertiggestelltes Messgerät aus Wladiwostok abholen zu lassen. Er nennt das Gerät Televisor und es ist eine Kamerasonde, die in großen Tiefen auch bei wenig Licht hervorragende Bilder liefert.

Der TelevisorDie Tiefseekugel taucht auf

Gerade noch rechtzeitig trifft das Transportflugzeug ein, die Mechaniker der »Amethyst« bauen in Windeseile ein Gerüst auf und die Sonde wird ins Wasser gelassen. Der Televisor liefert gestochen scharfe Bilder, so dass eine Stahltrosse mit Greifarm gesteuert und die Tauchkugel an die Meeresoberfläche gezogen werden kann. Die Forscher sind gerettet. Der Televisor von Kapitän Ganeschin hat sich zum ersten Mal im Einsatz bewährt!

Hintergrund

Die Erzählung »Atoll Fakaofu« erschien erstmals 1944 in russischer Sprache unter dem Titel »Атолл Факаофо«. Es gibt auch eine kürzere Version unter dem Titel »Телевизор капитана Ганешина« (»Der Televisor des Kapitäns Ganeschin«).

Mir liegt die deutsche Ausgabe aus der beliebten »Kleinen Jugendreihe« von 1956 vor. Warum im deutschen Titel nicht die offizielle Bezeichnung »Fakaofo« verwendet wird, konnte ich nicht herausfinden.

Persönliche Wertung

Für die meisten Hefte der »Kleinen Jugendreihe« gilt, dass sie schlicht und dem damaligen jungen Publikum entsprechend gestaltet waren. Das Cover ist farbig, nur die junge Frau passt nicht so recht in die Szene. In der ganzen Geschichte taucht nur eine weibliche Person auf, und das ist die Frau eines Insassen der Tauchkugel. Sie trägt aber nur wenig zum Fortgang der Handlung bei.

Ein besonderes Anliegen des Autors beim Schreiben dieser Geschichte war es sicherlich, deutlich zu machen, welche großen Möglichkeiten Wissenschaft und Technik bieten, wenn sie zum Wohle der Menschheit und nicht als Waffen eingesetzt werden. Zu Beginn der Geschichte weckt der alte Gelehrte durch seine bewegenden Worte in den versammelten Seeleuten den Wunsch, sich an der Erforschung der Weltmeere zu beteiligen.

Vor allem Kapitän Ganeschin lässt sich davon inspirieren und setzt die Vision des alten Professors in die Tat um. Sein Televisor ist ein scharfes »Auge« für die Erforschung der tiefsten Tiefen der Weltmeere und er hat auch Ideen für die »Hände«.

Auch diese Geschichte von Iwan Jefremow soll das Interesse junger Leser an Wissenschaft und Technik wecken. Inwieweit ihm das damals gelungen ist, kann ich als Nachgeborener nicht beurteilen. Ich finde es gelungen.

Die bildhafte Sprache des Autors - ich hatte z.B. deutlich das Bild eines Mechanikers vor Augen, der mit einem Schraubenschlüssel seine Maschinisten und Monteure zur schnellen Arbeit antreibt - und die Dramatik der Rettungsaktion unter Zeitdruck gerade zum Ende hin gefallen mir sehr.

Es ist ein einfacher, schlichter Text, der zum Nachdenken anregt. Es muss kein Flug zu den Sternen sein, denn auf der Erde gibt es noch genug Geheimnisse zu lüften.

Die sowjetischen Seeleute werden sympathisch dargestellt, sie sind freundlich und helfen den amerikanischen Wissenschaftlern ohne Hintergedanken, weil sie im anderen vor allem den Menschen in Not sehen. Diese selbstlose, gegenseitige Unterstützung gefällt mir sehr. Leider ist eine solche Einstellung heute nicht mehr selbstverständlich.

Zum Buch

 Originaltitel:  Atoll Fakaofu
 Russischer Titel:  Атолл Факаофо
 Autor:  Iwan Jefremow
 Übersetzer:  Erna Linde
 Verlag:   Kultur und Fortschritt Berlin 1956
 Seitenzahl:  47
 Ausgabe:  Heft der »Kleinen Jugendreihe«

Quellen

[1] Atoll Fakaofu – Iwan Jefremow, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1956

[2] Телевизор капитана Ганешина in Техника — молодежи № 7-8 1944

[3] Die Illustrationen Der Televisor von Kapitaen Ganeschin, Das neue Echolot, Die Amethyst, Eine Boje, Der Televisor und Die Tiefseekugel taucht auf wurden von © Konstantin Konstantinowitsch Artseulow gezeichnet, einem russischen und sowjetischen Flieger und Illustrator.

Das Frontcover und das Bild Der riesige Tierkoerper stammen von © H. Betcke.

Die Informationen und Illustrationen der russischen Originalausgabe stammen von ПУБЛИЧНАЯ БИБЛИОТЕКА.

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