22.07.2023

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Nabou

Mitte des 21. Jahrhunderts bricht ein Team von Wissenschaftlern zu einer Expedition unter das Mittelmeer auf. Leiter des waghalsigen Unternehmens ist der geheimnisvolle Nabou Tebar. Die Wissenschaftler wollen die Bodenschätze und die geologischen Verhältnisse unter dem Meeresboden erforschen.

Der Geologe Will Pertenkamp ist wie seine Kameraden beeindruckt von der Persönlichkeit und Intelligenz Nabou Tebars. Doch seine Menschenscheu und Unnahbarkeit stoßen ihn ab. Pertenkamp spürt, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Alle kennen Nabou nur als den genialen Forscher, dessen brillante Ideen und Erfindungen zu vielen bahnbrechenden Entdeckungen in Wissenschaft und Technik geführt haben. Gleichzeitig weiß niemand etwas über seine Herkunft und sein Alter.

Mejuanische Kammer

Will Pertenkamp empfindet eine tiefe Zuneigung zu Yamina Farah, der leitenden Ingenieurin an Bord der »Sindhbad«. Doch die schwärmerische Verehrung, die die junge Frau dem Expeditionsleiter entgegenbringt, verwundert ihn und macht ihn eifersüchtig.

Die Reise in den Erdmantel beginnt und die Expedition kann erste Erfolge verbuchen. Das Schiff dringt in bisher unerforschte Bereiche des Erdinneren vor. Reiche Rohstoffvorkommen werden entdeckt und die »Sindhbad« gelangt an ungewöhnliche Orte.

SindhbadSchneckenhöhle

So erreichen die Forscher einen riesigen Hohlraum, in dessen Innerem sich ein heißes Meer und Reste einer urzeitlichen Atmosphäre befinden. Sie stoßen auf Spuren schneckenähnlicher Lebewesen, deren scheinbar bewusstes Handeln sie am eigenen Leib erfahren.

Nachdem die Sindhbad eine Tiefe von 10.000 Metern unter dem Meeresboden erreicht hat, macht sich die Expedition auf den Rückweg. Plötzlich gerät das Schiff in eine Magmakammer. Zwar hält sein robuster Silunitrumpf der großen Hitze stand. Doch der Ausfall der Klimaanlage bedroht das Leben der Besatzung. Die Innentemperatur steigt immer weiter an und Eruptionen schleudern das Schiff gegen die Wände der Magmakammer. Nur durch das mutige und entschlossene Handeln des Expeditionsleiters kann die Gefahr abgewendet werden.

Seine Kameraden feiern ihn. Doch Will Pertenkamp kann sich nicht richtig freuen. Einerseits bewundert er Nabous unglaubliche Kaltblütigkeit und übermenschliche Reaktionsschnelligkeit. Andererseits schockiert ihn das völlig rücksichts- und empathielose Verhalten des Expeditionsleiters in der Krisensituation. Ihm scheint der Erfolg des Unternehmens wichtiger zu sein als das Wohlergehen der Besatzung. Der Geologe fragt sich, ob Nabou überhaupt ein Mensch ist.

NabouMondstadt Endymion

Schritte ließen uns aufhorchen, feste, ruhige Schritte. Es war Nabou. Scheinbar unberührt von dem, was sich ereignet hatte, kam er auf uns zu.

Er blieb vor uns stehen und sah gleichmütig auf Yamina hinab. »Verletzt?«

»Ich hoffe, es ist nichts Ernstliches«, antwortete Shelder besorgt.

»Gut. Sie überprüfen sofort alle Aggregate, Yamina!«

»Sehen Sie denn nicht, in welchem Zustand sie ist?« rief ich empört.

Sein eiskalter Blick richtete sich von Yamina auf mich. Er stieg über sie hinweg und ging zum Maschinenraum.

»Nabou!« Ein Stöhnen erstarb auf Yaminas Lippen.

Shelder und ich schauten ihm verständnislos nach.

Nach Abschluss der Forschungsreise setzt der Geologe alles daran, das Geheimnis des Nabu zu lüften und geht dabei bis an die Grenzen seiner physischen und psychischen Kräfte.

Hintergrund

Nabou ist ein Science-Fiction-Roman des deutschen Autors Günther Krupkat, der 1968 im Verlag Das Neue Berlin erschien. Er gilt als »eines der besten Beispiele für Science-Fiction aus der DDR« (F. Rottensteiner). ([2], S. 185)

Das Buch setzt die Handlung von »Als die Götter starben« fort. Seit den Ereignissen um Erik Olden und seinen spektakulären Entdeckungen außerirdischer Hinterlassenschaften auf der Erde und im Sonnensystem sind einige Jahrzehnte vergangen. Der Flug zum Meju fand nicht statt. Die Erde erwartet jedoch in naher Zukunft eine Botschaft der Mejuaner.

Im Internet können Sie außerdem eine interessante Rezension zu »Nabou« auf den Seiten von Alexander Baumbach finden.

Persönliche Wertung

Lange Zeit wusste ich nicht, dass es eine Fortsetzung von »Als die Götter starben« gibt. Als ich dann »Nabou« in den Händen hielt, war ich nach den ersten Seiten etwas enttäuscht. Hatte ich doch gehofft, etwas Neues über die Mejuaner und ihre Welt zu erfahren.

Doch die bildhafte und ansprechende Schilderung des Lebens der Menschen in Krupkats Zukunftswelt zog mich in ihren Bann. In der Phantasie des Autors gleicht unsere Erde einem blühenden Garten. Überall herrscht Frieden. Automaten aller Art erleichtern den Menschen das Leben.

Wie beiläufig beschreibt Krupkat neue technische Erfindungen und ihren Einsatz im Alltag. Der Individualverkehr findet auf Gleitbahnen statt, die alle Orte miteinander verbinden. Auf unterirdischen Straßen fahren Fahrzeuge, die von Elektromotoren angetrieben werden. Zur Kommunikation benutzen die Menschen kleine Handgeräte - so genannte Videophone -, die unseren heutigen Smartphones verblüffend ähnlich sehen.

Gerade durch seine einfache Sprache gelingt es dem Autor immer wieder, faszinierende Momente zu schaffen. Sei es, dass Will mit Yamina die Terrasse von Baalbek besucht oder die Forscher in der unheimlichen Höhle von etwas Unsichtbarem aus dem Wasser »getragen« werden. Diese bildhaften Beschreibungen lassen einen Film vor dem geistigen Auge des Lesers ablaufen. Das ist Kopfkino pur und macht die Lektüre des Buches zum reinen Vergnügen.

Günther Krupkat gelingt es, die Spannung um das Geheimnis von Nabou bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und die Auflösung des Rätsels ist äußerst befriedigend und lässt den Leser träumen, wie die Handlung weitergehen könnte.

Der Roman »Nabou« ist für mich ein besonders lesenswertes Buch.

Zum Buch

Originaltitel:  Nabou
Autor:  Günter Krupkat
Verlag:  Das Neue Berlin 1968
Seitenzahl:  320
Ausgabe:  Hardcover mit Schutzumschlag

Quellen

[1] Nabou – Günter Krupkat, Das Neue Berlin 1971, 4. Auflage

[2] Die Science-fiction der DDR – Autoren und Werke, Verlag Das Neue Berlin 1988 – herausgegeben von Erik Simon und Olaf R. Spittel

[3] Das Bild von Nabou ist eine eigene Grafik nach dem Cover der rumänischen Buchausgabe (erschienen im »Fantastic Club« Edition Ed. Albatros, 1979). Das Cover wurde vom bekannten rumänischen Künstler Pompiliu Dumitrescu gestaltet.

Das deutsche Buchcover wurde von Peter Nagengast gezeichnet.

Die Bilder wurden mit Microsoft Bing Bildersteller erzeugt.